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Tu-144
Auf dem Pariser Aerosalon 1965 kündigte Tupolew den Bau eines Überschall-Verkehrsflugzeugs an, das noch vor der englisch-französischen Concorde fliegen sollte. Die Tu-144 sollte damit der russischen Luftfahrtindustrie einen gehörigen Anstoß geben und ihre führende Position aufzeigen. Rein äußerlich gibt es auf den ersten Blick einige Parallelen zwischen der Tu-144 und der Concorde. Beide Entwürfe verwenden Deltaflügel und eine zur Landung nach unten schwenkbare Nase mit einziehbaren Cockpitfrontscheiben. Auch die Ausmaße sind fast gleich. Der am eindeutigsten zu erkennende Unterschied ist das kurz hinter dem Cockpit bei Start und Landung ausfahrbare zusätzliche Flügelpaar der Tu-144, das im Langsamflug für mehr Auftrieb sorgt. Ebenfalls recht gut zu unterscheiden ist die Anordnung der Triebwerke. Diese sind bei der Concorde weiter an den Außenkanten der Flügel angeordnet als bei der Tu-144. Alle vier Triebwerke der Tu-144 sind zur Unterstützung bei Start und Steigflug mit Nachbrennern ausgestattet. Über Schubumkehr verfügen allerdings nur die beiden äußeren Triebwerke. Als der erste Prototyp der Tu-144 am 31. Dezember 1968 seinen Jungfernflug absolvierte, erfüllte sich Tupolews Wunsch, die Tu-144 vor der Concorde fliegen zu sehen. Die Concorde flog erst drei Monate später. Damit war die Tu-144 das erste Überschall-Verkehrsflugzeug und am 5. Juni 1969 durchbrach der Prototyp dann auch wirklich zum ersten Mal die Schallmauer. Das Programm mußte am 3. Juni 1973 den ersten schweren Rückschlag verkraften, als ein Vorführmodell auf dem Pariser Aerosalon vor den Objektiven der weltweiten Presse abstürzte. Obwohl als Grund für diesen Unfall nach heutigem Erkenntnisstand ein Ausweichmanöver der Tu-144 vor einer französischen Spionage-Mirage verantwortlich gemacht wird, hielten sich die Fragen nach der Sicherheit der Tu-144 hartnäckig noch einige Jahre lang. Dazu kam, wie auch bei der Concorde, der hohe Kerosinverbrauch. Durch die Ölkrise von 1973 konnte damit auch die Tu-144 nicht rentabel fliegen. Trotzdem wurde die Tu-144 1975 zum ersten Mal auf der Route zwischen Moskau und Alma Ata (Kasachstan) für Postflüge eingesetzt. Neben einer sehr schnellen (und ohne Zweifel sündhaft teuren) Postbeförderung konnten so im Linieneinsatz Verfahren getestet und Daten gesammelt werden. Ab dem 1. November 1977 wurde die Tu-144 dann auch für Passagierflüge eingesetzt. Wiederum wurde die Strecke Moskau-Alma Ata bedient. Kurz nach Einführung dieses Passagierdienstes ereignete sich ein zweiter Crash, der dann bald das Aus für die Tu-144 auf Passagierflügen bedeutete. Nach nur knapp einem halben Jahr und genau 102 Passagierflügen stellte Aeroflot die Tu-144 bereits aus Kostengründen wieder außer Dienst. Im September 1993 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und Russland ein Joint Venture zur Erprobung von Überschallflügen mit dem Ziel, Daten für neue Entwicklungen von überschallschnelle Verkehrsflugzeugen zu sammeln. In Zusammenarbeit zwischen der NASA und Tupolew wurde daraufhin eine Tu-144, die nur insgesamt 82 Flugstunden hatte, wieder in einen flugbereiten Zustand gebracht. Ab 1997 konnten dann mit dieser Tu-144LL recht viele erfolgreiche Testflüge durchgeführt werden.
Quelle: airliners.de
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